Heldenhafter Kampf des Alpinikorps
Das Alpini-Korps bestand aus den Divisionen: CUNEENSE, JULIA, TRIDENTINA

Dieses Korps war ursprünglich zur Eroberung des Kaukasusgebietes gedacht und wurden auch in diese Richtung in Marsch gesetzt. Kurz vor dem Eintreffen im Operationsgebiet, wurde das Alpini-Korps in den Don-Abschnitt zwischen Pawlowsk und der Choper-Mündung in Marsch gesetzt.
Hier sollten sie zusammen mit dem ital. 2. Armeekorps (Divisionen: SFORCESCA, RAVENNA und COSSERIA) und dem ital. 35. Armeekorps (ehemaliges CSIR) den 270 km breiten Verteidigungsabschnitt am DON übernehmen. Beide Armeekorps zusammen bildeten die italienische Armee mit der Bezeichnung „ARMIR“ – Armata Italiana in Russia. Oberbefehlshaber des ARMIR war der 63jährige Generaloberst Italo Gariboldi.




General Gariboldi war vorher Generalgouverneur von Libyen und Befehlshaber der italienischen Truppen in Nordafrika gewesen. Da seine Zusammenarbeit mit General Rommel bei der Zurückeroberung der Cyrenaika nicht sehr glücklich war, wurde Gariboldi von Afrika zurückgerufen und an die Ostfront geschickt. Das nur als Kurzinformation zur italienische Russlandarmee ARMIR.
Am 11. Dezember 1942 begann die sowjetische Offensive im Bereich des ital. 35. und des 2. Armeekorps – beide in der Mitte der DON-Verteidigung des ARMIR. Bis zum 15. Dezember konnten alle sowjetischen Vorstöße abgewehrt werden.

Aber am 16. Dezember begannen nach einer eineinhalb- stündigen Artillerievorbereitung und unter Einbeziehung starker Fliegerkräfte 17 Divisionen mit etwa 600 schweren Panzern den Großangriff. Nach 24 Stunden gelang der Gardearmee der Durchbruch. Die Abwehrfront begann zu zerbröckeln. Am 20. Dezember gelang den Russen an der Südwestfront ein weiteren entscheidender Sieg und Durchbruch. Danach überstürzten sich die Ereignisse, bei einer Kälte von Minus 30 – 40 Grad und weniger, waren die Verbindung der einzelnen Divisionen des ARMIR bereits unterbrochen.

Das Oberkommando des ARMIR hatte den Überblick komplett verloren. Ende Dezember versuchte sich Generaloberst Gariboldi einen Überblick über die Situation des ARMIR zu verschaffen. Nur das Alpini-Korps hielt noch am Don aus, und behauptete seine Stellungen. Was geschah nun bei den italienischen Gebirgsjägern (Alpini)? Am 14. Januar begannen die Sowjets an der Woronesch-Front mit ihrer 3. Panzerarmee einen Angriff aus dem Raum Kantemirowka und durchbrachen die Stellungen des deutschen 24. Panzerkorps, das seit Ende Dezember mit italienischen und deutschen Verbänden am rechten Flügel des bisher unversehrten Alpini-Korps stand. Innerhalb von zwei Tagen war die deutsche Verteidigung zerschlagen und der Weg nach Rossoch, in den Rücken des Alpini-Korps freigekämpft. Um einer sowjetischen Einkreisung zu entgehen, ersuchte Gariboldi darauf das Oberkommando der Heeresgruppe B, den Alpini-Divisionen den Rückzug zu genehmigen. Aber Hitler lehnte einen Rückzug kategorisch ab. Erst am 17. Januar erlaubte das Oberkommando der Heeresgruppe die Rücknahme der Front der Alpinis vom Don; damit begann die Odyssee des Alpini-Korps. Die Lage, in der sich die Italiener befanden, war ziemlich verworren. Sie räumten ihre Stellungen am Don, an dem sie die gesamte Artillerie mittleren Kalibers zurücklassen mussten und versuchten in breiter Front die Bahnlinie Rossoch-Jewdakowo zu erreichen. Nach anfänglichem gutem Vorankommen stockte der Rückzug plötzlich bei Podgornoje, wo sich bereits die Sowjets befanden: Die Italiener saßen im Kessel. Doch zu der erwarteten Kapitulation kam es nicht! Stattdessen erhielten sie den Durchbruchbefehl. Dieser begann in der Nacht vom 18. auf den 19. Januar, und zwar mit Erfolg. Nachdem die noch restlichen vier deutschen Sturmgeschütze des 24. Panzerkorps eine Bresche in die Verteidigung der Sowjets geschlagen hatten, überrannten die italienischen und die deutschen Einheiten – in zwei großen Kampfgruppen aufgeteilt – den überraschten Feind. Ihr Ziel war Alexajewka, wo sie auf eigene Truppen zu stoßen hofften. Aber das Kriegsglück wechselte rasch. Die „Divisionsgruppe Jahn“ geriet am 20. Januar in einem sowjetischen Hinterhalt und wurde beinahe völlig vernichtet. Generalmajor Jahn erschoss sich, um nicht in die Hände der Roten Armee zu fallen. Die Reste seiner Truppen schlossen sich der „Divisionsgruppe Tridentina“ an.

Später stießen auch noch Ungarn dazu, die entweder den Anschluss zu ihren eigenen Verband nicht fanden, oder bereits aus sowjetischer Gefangenschaft fliehen konnten. Am Abend des 20. Januar erreichten Vorausabteilungen der Alpinis den Fluß Olchowotka. Hier konnte der Übergang gesichert werden, bald jedoch stieß man auf stärkere sowjetische Einheiten. Man musste ausweichen, wieder kämpfen und dabei schwere Verlust hinnehmen. Dazu kamen noch Schnee und Kälte, und das Verhältnis zwischen Deutschen und Italienern wurde auch stets schlechter. (Ursache: keine Mitnahme beim Transport, obwohl Kapazität vorhanden, keine ausreichende Verpflegung, und am schlimmsten war die herablassende Art und Weise, wie die Ital. Bundesgenossen in ihre Not noch verhöhnt und zum Teil ungerechtfertigt verspottet worden sind!

Diesen Spott liest man heute noch in alten "Geschichtsschinken", die mit der Realität nichts zu tun hatten. Am 26. Januar musste im Raum Nokitowka der weitere Rückzug mit 320 Toten erkauft werden. Hier fiel auch der Stabschef des Alpini-Korps, General Martinat. Am 27. Januar gelang es dem Oberkommando der Heeresgruppe B, Kontakt mit dem „wandernden Kessel“ aufzunehmen. Deutsche Flugzeuge warfen nun endlich Nachschubgüter ab. Nun gab es den Befehl den Durchbruch weiter zu versuchen und erst sah es sehr schlecht für die Alpinis aus, die Sowjets waren stärker. Erst als am 30. Januar die Marschroute gezwungenermaßen öfters gewechselt worden war, zeigte sich im Raum Bolsche-Troizkoje eine Bresche im Ring der Roten Armee. Die eigene Hauptkampflinie wurde nach 13tägigem Rückzug erreicht. Das Oberkommando der Heeresgruppe B sorgte rasch für die Geretteten. Die Reste des Alpini-Korps, die einen 180 km langen Marsch mit 13 Gefechten hinter sich hatten, wurden sofort ins rückwärtige Heeresgebiet transportiert.

Dort erkannte man die erschreckenden Verluste: Die Division Tridentina zählte kaum 6500 Mann, bei der Julia blieben 3300 Soldaten übrig und von der Division Cuneesne hatten lediglich 1500 Mann den Rückzug überlebt. Neben 880 Mann der Korps- und Korpsversorgungstruppen, sowie den Reste der Division Vicenza 1300 Mann, gelang noch etwa 8000-9000 Deutschen und 6000-7000 Ungarn der Ausbruch aus dem Kessel. Noch später trafen Nachzügler ein, die einen Weg durch die feindlichen Linien hatten finden können. Unter den Tausenden Gefangenen des Alpini-Korps, die zur selben Zeit von den Rotarmisten über den Don in Richtung Osten abtransportiert wurden, befanden sich auch die Generäle Pascaloni, Battista und Ricagno – die Kommandeure der Divisionen „Vicenza“, „Cuneense“ und „Julia“.
